Geschichte

Bedingt durch seine Lage im Süden der Iberischen Halbinsel war Andalusien durch seine ganze Geschichte ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen: Früh kam die Region in Kontakt mit den hoch entwickelten Kulturen des östlichen Mittelmeerraums, danach war sie lange Zeit Teil des nordafrikanischen maurischen Reiches. Später starteten hier die Entdecker der “neuen Welt”, Andalusien wurde zum Tor nach Amerika.

Vor- und Frühgeschichte

In Andalusien findet sich einer der ältesten europäischen Funde des Homo erectus, des Vorläufers des modernen Menschen (eine Darstellung der Geschichte des Menschen findet sich >> hier): Die Funde von Orce sind nach neuesten Erkenntnissen eine Millionen Jahre alt. Die frühen Menschen besaßen Werkzeug aus Feuerstein und haben hier an einem heute verschwundenen See Großwild gejagt. Die nächst älteren Funde stammen aus Venta Micena und sind 400.000 Jahre alt; die Archäologen arbeiten nun daran, die Lücken zwischen diesen beiden Funden zu schließen. Reste von Neandertalern fanden sich in den Höhlen von Gibraltar, dieser Fundort ist 100.000 Jahre alt.

Der moderne Mensch Homo sapiens kam über Südfrankreich in das Gebiet des heutigen Spaniens und Andalusiens. Zu den ältesten Zeugnisse des prähistorischen Menschen in Andalusien gehören die Cueva de la Pileta in der >> Sierra de Grazalema und die Höhle von Nerja. Beide kann sie besuchen, wobei die Cueva de la Pileta nur durch mitgeführte Gaslaternen erhellt wird: so bekommt man eine Ahnung, wie die Menschen seinerzeit den Aufenthalt in den Höhlen empfunden haben müssen. Ihren wissenschaftlichen Wert bekommt die Höhle durch eine Vielzahl von Felszeichnungen von Bergziegen, Pferden und anderen Tieren, die aus der Altsteinzeit kommen sollen und wohl die ältesten in Andalusien sind. Die abstrakten Zeichnungen aus dem größten bemalten Saal sollen dagegen aus der Jungsteinzeit stammen. Diese Höhle hat vermutlich in erster Linie magisch-religiösen Zwecken gedient, bewohnt war sie höchstens im vorderen Teil.

In der Jungsteinzeit wurde die Region offensichtlich wieder von Gruppen aus Afrika besiedelt, aus dieser Zeit stammen die 4.000 Jahre alten Höhlenmalereien von Vélez-Blanco. Bald darauf begann die Metallbearbeitung, die vermutlich wieder von außen gebracht wurde. Bei Los Millares finden sich die Ausgrabungsstätten von Europas größter Siedlung aus der Bronzezeit. Von hier breitete sich der Glockenbecher über ganz Europa aus. Funde aus Los Millares, die zeigen, dass hier anders als in der Altsteinzeit schon Viehzucht und Ackerbau betrieben wurden, kann man auch im archäologischen Museum von Almería sehen.

Zur gleichen Zeit entstanden bei Antequera drei Dolmen, deren ältester, der Dolmen von Menga, das größte derartige Monument in Westeuropa ist. Riesige Monolithen stützen ebenso gigantische Decksteine, deren größter auf 180 Tonnen geschätzt wird. 1645 entdeckt, hielt man diese Dolmen im vorigen Jahrhundert für einen Versammlungsort der Druiden; letztendlich sind uns diese Dokumente der Monolithkultur bis heute ein Rätsel. Aber sie breitete sich von hier aus über Spanien nach Europa hinein aus.

Während des ersten Jahrtausends vor unserer Zeit entstand die Kultur der Iberer. Zu dieser gehört das sagenhafte Königreich von Tartessos, von dem die Bibel sowie griechische und römische Texte berichten. Der Legende nach muss Tartessos unermesslich reich an Kupfer, Gold und Silber gewesen sein; es wurde bis heute nicht gefunden. Der deutsche Althistoriker Adolf Schulten, der dieses 30 Jahre lang erfolglos versuchte, hielt es gar für das sagenumwobene Atlantis; andere gruben ebenso erfolglos in Cádiz, Jerez de la Frontera, Sanlucar de Barrameda und Sevilla. Ihre Blütezeit erlebten die Tartessier im 9. und 8. Jahrhundert vor unserer Zeit. Sie scheinen friedlich mit den Phöniziern gehandelt zu haben, jenen im heutigen Libanon beheimateten Händlern und Seefahrern, die um 1.100 vor unserer Zeit den Hafen von Gadir (dem heutigen >> Cádiz) gründeten - später dann unter anderem Malaca (Málaga), Sexi (Almuñécar), Calpe (Gibraltar) und Onaba (Huelva). Bald kamen auch die Griechen, die sich zunächst weiter nördlich, an der heutigen Costa Brava, ansiedelten, aber sich bald in die phönizische Zone hinein ausbreiteten und ebenfalls mit Tartessos handelten.

Nach der Unterwerfung des phönizischen Mutterlandes durch Babylonien übernimmt Karthago ab dem 6. Jh. v. Chr. die phönizischen Stützpunkte. Im Unterschied zu ihren Vorgängern nahmen die Karthager eine feindliche Haltung gegenüber den Tartessiern ein, die zur Zerstörung dieser Zivilisation führte. Karthago vertrieb auch die Griechen aus Spaniens Süden. Die wachsende Macht Karthagos führte im 3. Jh. v. Chr. zu Auseinandersetzungen mit Rom und den beiden Punischen Kriegen, die mit der Eroberung Spaniens durch die Römer endeten.

Die Römer

Weiter nördlich traf der römische Vormarsch auf erbitterten Widerstand; nicht so in Andalusien, wie die Menschen der Herrschaft Karthagos müde waren. Zum Ende der römischen Republik wurden viele wichtige Schlachten in Andalusien geschlagen, die entscheidende im Jahr 45 vor unserer Zeit bei Munda südlich von Córdoba. Die Römer festigten auch hier ihren Einfluss über ihr Verwaltungssystem und das Straßennetz. Zunächst teilten sie Spanien in 2 Provinzen, Hispania citerior und Hispania ulterior, die letztere wurde etwas später noch einmal aufgeteilt, wobei die dabei entstehende Provinz Hispania baetica schon etwa dem heutigen Andalusien entsprach - Hauptstadt wurde Corduba (Córdoba). Der Ausbau des Straßennetzes erleichterte den Handel, der Monte Testaccio in Rom besteht nicht zum geringsten Teil aus zerbrochenen Amphoren aus der Provinz Betica.

Die Iberer Andalusiens hatten ihre eigene städtische Tradition, auf der die Römer aufbauen konnten. Neben eigenen Gründungen wie Itálica (206 vor unserer Zeit) bauten sie andere wie Corduba (Cordóba) und Hispalis (Sevilla) aus und brachten den Iberern eine gemeinsame Sprache, das Latein. Die folgenden vier Jahrhunderte waren ein goldenes Zeitalter, aus Hispania baetica kamen nicht nur Erze, Getreide und Olivenöl, sondern auch die Kaiser Trajan und sein Nachfolger Hadrian sowie der Philosoph Seneca.

Zu den zahlreichen Erinnerungen an die Römerzeit gehört die Römerbrücke in Cordóba und das Theater in Ronda la Vieja, wo weitere Ausgrabungen kürzlich erst begonnen haben. Auch Itálica ist heute eine Ausgrabungsstätte, im restaurierten Amphitheater finden im Sommer Ballett- und Opernaufführungen statt. Mosaiken aus Itálica kann man im archäologischen Museum von Sevilla sehen. Ein Museum mit Funden aus der Römerzeit findet sich auch an der Nekropolis von Carmona, einer der besterhaltenen Bauten aus der Römerzeit in Andalusien.

Die Westgoten

Zur Zeit des Endes des Weströmischen Reichs zogen in der Folge des durch den Hunnensturm ausgelösten germanischen Völkerwanderungen Vandalen, Sueben, Alanen und Westgoten durch das Land. Die Westgoten beendeten im Jahr 474 das römische Prinzipat, aber nicht den Einfluss der Römer, die wichtige zivile und geistliche Posten behielten. Zudem sandte Kaiser Justitian 552 byzantinische Truppen, die sich in Andalusien bis 621 halten konnten. Probleme hatten die Westgoten aber nicht nur mit den Römern, sondern auch im Inneren. Der Übertritt König Rekkareds zum katholischen Glauben beendete zwar die Feindschaft mit Byzanz, aber im Land blieb eine starke arianische Grundströmung bestehen; die Verfolgung der Juden, die seit der Römerzeit (der Legende nach gar seit phönizischen Zeiten) im Gebiet lebten, begann. Wirtschaftlich litt das Land unter wachsender Ungleichheit zwischen reicher Oberschicht und besitzlosen Massen - der westgotische Staat gilt als das brutalste Sklavenhalterregime der Antike - und politisch unter einem Dauerstreit über Wahl- oder Erbmonarchie. Daher war das Reich der Westgoten so geschwächt, dass der Boden für einen Erfolg der islamischen Eroberung schon bereitet war. Der historische Mythos will, dass die Araber nach Andalusien kamen, weil der westgotische König Rodrigo die Tochter des Gouverneurs von Ceuta vergewaltigt hat und dieser darauf die Araber, die seit 670 bereits vom Heerlager Kairouan in Tunesien aus die nordafrikanische Mittelmeerküste bis zur Meerenge von Gibraltar erobert hatten, um Hilfe bei seiner Rache bat. Manche Historiker glauben eher an den Hilferuf von Anhängern der im Streit um die Thronnachfolge unterlegenen Partei, aber wie auch immer: alleine der legendäre Reichtum Andalusiens wäre für die Araber wohl Anreiz genug gewesen, nach Europa zu kommen.

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